Innerer Monolog
Fragmente aus dem Inneren

Wege ohne Karte
Der Abend liegt warm auf meiner Haut, wie damals, als der Asphalt noch nach Sonne roch. Ein leises Knacken im Holzrahmen des Fensters, mehr braucht es nicht, und etwas in mir kippt nach innen.
Dein Wiederauftauchen trifft mich weicher, als ich zugeben will. Ich wollte ruhig bleiben, doch mein Atem stolpert kurz, als hätte er das nicht geübt. Ein Moment, der sich ausbreitet, ohne zu fragen.
Ich spüre die alte Unruhe, dieses Ziehen hinter den Rippen. Ich dachte, ich müsste stark wirken, aber meine Hände werden leichter, fast offen. Ein kleiner Riss, der keinen Lärm macht.
Vielleicht ist es das: ein Schritt, der nicht geplant war, aber trotzdem trägt. Ein Auftrieb, der sich nicht erklären lässt, nur fühlen.
Und dann bleibt dieses Bild: dein Schatten im Türrahmen, weichgezogen vom Licht. Nicht laut, nicht groß. Nur da. Und ich gehe einen halben Schritt näher, ohne zu wissen, wohin er führt.

(Zweites Herz)
Der Morgen hängt flach im Raum, als hätte jemand das Licht vergessen.
Ein leises Knacken im Fensterrahmen, mehr nicht.
Ich atme dagegen an, unsicher, ob der Körper noch mir gehört.
Dann dieser Moment, der mich trifft wie ein schiefer Schlag:
Ich wollte still bleiben, aber mein Brustkorb zieht sich zusammen,
als würde etwas von innen prüfen, wie viel ich aushalte.
Ein Schatten im Glas, kurz mein Gesicht, verzogen, fremd.
Ich tu so, als wär das normal.
Die Reibung sitzt tief.
Ein Schritt nach vorn, zwei Gedanken zurück.
Ich streife mit dem Finger die kalte Kante der Treppe
und merke, wie wach man sein muss, um nicht wieder zu verschwinden.
Ich wollte stehen bleiben, aber ich gehe weiter.
Langsam, ungerade.
Eine kleine Einsicht, kaum hörbar:
Vielleicht schlägt etwas in mir schief,
aber es schlägt.
Im Nachbild bleibt nur der Staub,
schwebend im Flurlicht,
als wüsste er mehr über mich
als ich selbst.

(Ich bleib stehen)
Der Tag hängt noch an mir, kalt wie der Mantel, den ich nicht ausziehe.
Ein dumpfer Schritt, der kurz nachhallt, als hätte der Boden etwas vor mir gewusst.
Ich bleibe stehen, ohne Grund, oder gerade deswegen.
Der Auslöser ist klein:
das Zittern eines Glases am Fensterbrett, kaum sichtbar, aber genug,
um mir zu zeigen, wie nah ich an einer Kante stehe, die keinen Namen braucht.
Ich wollte weitergehen, doch mein Körper hält mich fest,
ruhiger, als ich es ihm zutraue.
Die Reibung sitzt zwischen Atem und Brustbein.
Ein Stich Klarheit, scharf, ehrlich,
und für einen Moment trägt er mich, statt mich zu schneiden.
Ich merke, wie weich ich geworden bin,
und dass genau dort etwas trifft.
Eine Einsicht, leise wie ein Flurlicht, das nicht bis zu mir reicht:
Stehenbleiben ist kein Rückzug.
Es ist nur ein Ort, an dem ich mich wiederfinde,
bevor der Schatten sich umdreht.
Im Nachbild bleibt ein Schritt ins Halbdunkel,
nicht mutig, nicht ängstlich —
nur wahr.